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Ein neues Gutachten zeigt: Mit gezielter Standortpolitik und einer klugen Einbindung in das Energiesystem lassen sich digitale Souveränität und Wirtschaft in Deutschland stärken.

Die fortschreitende Digitalisierung, verbunden mit dem Wachstum der Digitalwirtschaft, führt zu einem stark steigenden Bedarf an digitaler Infrastruktur. Rechenzentren sind dabei ein zentraler Baustein, sie zählen bereits heute zu den am schnellsten wachsenden energieintensiven Branchen in Deutschland. Mit über 2.000 Rechenzentren und einer IT-Anschlussleistung von mehr als 2.700 Megawatt (MW) ist Deutschland der führende Rechenzentrumsstandort in Europa. Prognosen zufolge könnte der branchenspezifische Strombedarf bis 2030 auf 31 Terawattstunden (TWh) und bis 2045 auf 80 TWh steigen – eine Vervierfachung gegenüber 2024.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hat die Deutsche Energie-Agentur (dena) gemeinsam mit den Projektpartnern Borderstep Institut, Universität Stuttgart, SDIA, EY Law, Fraunhofer ISI und BBH-Gruppe die Marktentwicklung, Wechselwirkungen mit dem Energiesystem sowie Standortchancen für Neuansiedlungen untersucht. Die Ergebnisse sind im aktuellen Gutachten „Stand und Entwicklung des Rechenzentrumsstandorts Deutschland“ zusammengefasst.

Zukunftstechnologien als Wettbewerbsvorteil für Deutschland

Corinna Enders, Vorsitzende der Geschäftsführung der dena: „Deutschland braucht eine klare Strategie für den Ausbau digitaler Infrastruktur, um die Entwicklung des Energiesystems mit Sicherheitsfragen und Wirtschaftswachstum zu verbinden. Die kommende Regierung kann hierfür bessere Rahmenbedingungen schaffen, wie unser Gutachten zeigt. Europäische Datensouveränität, höhere Resilienz der Wirtschaft und Synergien von Digitalwirtschaft mit Energie- und Klimapolitik sind möglich und sollten jetzt in den Fokus rücken.“

Standortchancen nutzen und weiterentwickeln

Deutschland bietet attraktive Standortbedingungen für regionale, nationale und internationale Rechenzentren. Dies sind unter anderem eine zentrale Lage in Europa und eine hohe Nachfrage nach Rechenzentrumsdienstleistungen, die hohe politische Stabilität und hohe Datenschutzstandards sowie eine sehr zuverlässige Stromversorgung mit einem hohen und wachsenden Anteil erneuerbarer Energien.

Im Vergleich mit den USA und China sind die Investitionen in Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz (KI) in Deutschland und Europa aber gering. Doch Deutschland kann als zentraler Wirtschaftsraum in Europa mit höchsten Anforderungen an Datensicherheit mehr tun für eine dynamische Marktentwicklung im Land.

Dezentrale Strategie mit Integration ins Energiesystem

Der weitere Ausbau von Rechenzentren lässt sich gezielt mit dem Aus- und Umbau der Energiesysteme verknüpften. Derzeit konzentriert sich das Wachstum auf wenige Regionen wie Frankfurt und Rhein/Main, was die lokalen Stromnetze stark belastet. Bei einer stärker über ganz Deutschland verteilten Ansiedlung, insbesondere in Regionen mit hoher erneuerbarer Stromproduktion, könnte regionale Wirtschaft in der Fläche profitieren und die neuen Rechenzentren könnten als Großverbraucher besser in das Energiesystem eingebunden werden. Denkbar sind etwa eine Nutzung der unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV), inklusive Pufferspeichern, die Nutzung von Abwärme zur Einspeisung in lokale Wärmenetze oder die Nutzung von Flexibilitätsoptionen zur Netz- und Strompreisstabilisierung.

Digital-Unternehmen und Fachkräfte als Wirtschaftsmotor

In Regionen mit Rechenzentren können sich durch Zuzug von Anbietern der IT-Infrastruktur, Unternehmen der Digitalwirtschaft sowie Forschungsinfrastruktur neue Cluster entwickeln. So entstehen durch den Betrieb eines 1-Megawatt-(MW)-Rechenzentrums in Deutschland etwa 3 bis 9 Arbeitsplätze, in nachgelagerten Unternehmen hingegen zwischen 35 und 140 Mitarbeitende je MW. Um diese Potenziale zu heben, braucht es eine lokale und regionale Standort- und Ansiedlungspolitik, die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsprozessen sowie regionale Clusterbildung digitaler Ökosysteme. Zentrale Voraussetzung ist die Ausweisung geeigneter Flächen für die Ansiedlung sowie die integrale Planung im Verbund mit den Strom-, Wärme- und Glasfasernetzen.
www.dena.de

 


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